Eine fotografische Serie. Wieviel es braucht. Und wie wenig.

Gestern wurde ich auf einen Blogpost im Leica Camera Blog aufmerksam. Er handelt von der japanischen Fotografin Sayuri Ichida und ihrer Serie mit der ebenfalls japanischen Ballerina Mayu. Zu sehen hier:

https://www.leica-camera.blog/de/2019/05/06/mayu/

Zum Einen ist das eine sehr schöne Serie. Ästhetisch ansprechend, spannend, still, beinahe kontemplativ und ganz wunderbar fotografiert. Als Fotograf fragt man sich ja meist recht schnell, womit das wohl fotografiert worden sei. Ich zumindest tue das. Nachdem der Beitrag im Leica Blog erschien, war klar, dass es wohl eine M sein würde. Auf den kleinen Bildern, die ich zuerst am Smartphone sah, dachte ich, welch schöne Anmutung die digitalen M´s doch haben. Liegt es am Chip, an den Leica Optiken? Die Leica Magie?

Nun ja, keine digitale M, las ich da. Eine analoge M6 verwendete Ichida und ein 50er Summicron. That´s it. Freilich auf größeren Ansichten kann man dann ein wenig Korn erahnen. Und sehen, wie Film mit Lichtern umgeht - man zeige mir eine Digitale, die das so gut kann.

Aber es geht hier nicht um digital oder analog, es geht nicht um Leica oder nicht Leica. Man hätte diese Serie ebenso mit meiner alten Canon EOS 50 und einem Canon 50mm fotografieren können. Beides zusammen am Gebrauchtmarkt für 100-150 Euro zu haben … So wenig braucht es.

Es geht hier um eine Idee, um Inhalt, um ein Konzept und die Konsequenz (und natürlich das Können) eine so wunderbare Serie zu beginnen, fortzusetzen und zu Ende zu bringen. Das ist Ichida gelungen. So viel braucht es.

Profis nehmen je nach Einsatzzweck im Idealfall das richtige Werkzeug zur Hand. Ich kann beispielsweise keine klassische Architekturdokumentation, also die idealisierende, ästhetisierende Art ein architektonisches Projekt abzubilden, die letztlich darauf abzielt, ein Gebäude und die damit in Zusammenhang stehende Planungsleistung zu “verkaufen”, mit einem Standardobjektiv runter fotografieren. Das ist das falsche Werkzeug, klar. Ich könnte damit eine künstlerische Herangehensweise wählen und sicherlich auch spannende Aufnahmen machen. Aber Architekturfotografie im herkömmlichen Sinne funktioniert so eben nicht.

Amateure beladen sich häufig mit Unmengen an Equipment. Kameras, Objektive, Gadgets … Ein Haufen Kram für einen Haufen fragwürdiger Bilder, die einzeln betrachtet manchmal ganz gut sind, oft weniger gut, aber sehr oft entbehrlich. Weil sie langweilig sind, hübsch anzusehen bisweilen, aber inhaltslos, also ohne Idee, ohne Kontext, ohne Geschichte.

Eine fotografische Serie braucht viel. Viel Nachdenken, viel Tun, viel Auseinandersetzung. Und dann braucht es ganz wenig. Ein Werkzeug halt, irgendeines …

Hier noch der Link zur Webseite von Sayuri Ichida mit weiteren Arbeiten: https://www.sayuriichida.com/

© 2017, Rainer Schoditsch. Fotografiert mit einer Canon EOS 50, Canon EF 50mm/1.8 auf Kodak Portra 400.

© 2017, Rainer Schoditsch. Fotografiert mit einer Canon EOS 50, Canon EF 50mm/1.8 auf Kodak Portra 400.